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Gemeinderat aktuell

Gemeinderat aktuell

Aus der Sitzung vom 7. Oktober 2019

 

Waldhaushalt mit Überschuss verabschiedet

Bebauungsplan im Gewerbepark II

 

Waldbegang

Der Gemeinderat der Stadt Külsheim traf sich bereits am Montagnachmittag zur sog. „Waldsitzung“ mit Besichtigung verschiedener Waldbilder, um sich einen Überblick über den momentanen Zustand des Külsheimer Stadtwaldes zu verschaffen.

Bürgermeister Thomas Schreglmann begrüßte zu Beginn speziell auch Amtsleiterin Forstdirektorin Dagmar Wulfes und Franz Joseph Hummel vom Forstamt sowie die beiden Förster Mathias Mattmüller und Hans-Peter Weber. Schreglmann erläuterte, man schaue sich den Külsheimer Stadtwald in dieser Weise alle zwei Jahre an. Die Förster machten sich jeweils vorab Gedanken, welche Stellen auf den 1600 Hektar Stadtwald aufgesucht würden, in diesem Jahr im Hundheimer Bergwald und im Steinbacher Wald.
Wulfes erläuterte an einer großen Fläche Douglasienbestand, hier sei man von der europaweiten Katastrophe verschont geblieben, es gebe eine ertragreiche Ausnahmestellung mit Baumarten, die auch verkäuflich seien. Für den Külsheimer Stadtwald sei keine Gewinnwarnung auszusprechen.

Mattmüller bezeichnete diesen Bestand als etwa 55 Jahre alt. Auf riesigen Hangflächen seien 180 Festmeter pro Hektar herausgeholt worden. Dies sei ein sehr starker Eingriff, aber kein Kahlschlag. Auf diesem Südhang auf Buntsandstein seien solch starken Eingriffe möglich. Auf verschiedene Nachfragen aus dem Gremium folgten durch die Fachleute Erläuterungen im Detail.

Auf dem Weg zum nächsten Halt konnte ein Waldrefugium, eine still gelegte Fläche, betrachtet werden. Danach stand die Eiche im Vordergrund. Auf einem Waldstück solle im Winter durchforstet werden, so Mattmüller, wobei mit Fingerspitzengefühl Aspekte wie „Endnutzung“ und „Licht machen für junge Eichen“ beachtet würden. Es gebe gute und gesunde Bestände, kaum Beschädigungen, derzeit keine Verluste durch Trockenheit. Man müsse sich vorstellen können, wie es hier in vielen Jahren aussehen solle.

Wulfes sprach den vorhandenen Reichtum an, auch mit dem Blick 30 oder 40 Jahre voraus: „Wir wollen in Zukunft Eiche haben, wir geben diesen Bäumen Licht.“ Einen halben Hektar kahl schlagen, um Eichen Naturverjüngung zu ermöglichen, bedeute ein gewisses Risiko, jedoch werde es funktionieren, so die Amtsleiterin. Solche Entscheidungen hätten Förstergenerationen zuvor auch getroffen.

 

Der dritte Halt führte in ein „Katastrophengebiet“, wie es Wulfes ausdrückte. Hier sei Käferbefall festgestellt worden („das Normale nach einem Trockenjahr“), weil der Wald im Blick behalten und jede Woche durchgeschaut werde. Denn Förster und andere Mitarbeiter seien mit offenen Augen unterwegs. Die befallenen Bäume seien entfernt worden, ansonsten hätte sich der Käferbefall mit dem „Faktor 20“ fortgesetzt.

Der Wald reguliere sich selbst, so Wulfes, „wir sind zufrieden mit der Vielfalt“. Solch kostenlose Naturverjüngung sei zu wünschen so wie die „Einheit von Wild und Wald“. Die Verjüngung an dem betroffenen Platz sei von alleine gekommen, es gebe sieben Baumarten, bemerkte Mattmüller, ein Natur naher Wald sei zu sehen. Die Forstdirektorin kennzeichnete das Anliegen der Forstleute mit „so vielfältig wie möglich, so ertragreich wie möglich“.

 

Ergebnis- und Betriebsplanung im Stadtwald Külsheim

Forstdirektorin Dagmar Wulfes, Amtsleiterin des Forstamtes im Main-Tauber-Kreis, erläuterte, für jeden Einzelbestand im Wald stehe fest, was im Plan über zehn Jahre vorgesehen sei. Heuer sei eine Zwischenprüfung gemacht worden, mit Zahlen und naturalgeprüft, ob alles in Ordnung sei. Der Gemeinderat habe das Forsteinrichtungswerk beschlossen, das Forstamt sei verpflichtet, in diesem Sinne zu bewirtschaften.

Die Amtsleiterin bestätigte, die Arbeit sei gut gelungen, „der Wald ist gut“, es dürfe gar deutlich mehr Holz genutzt werden. Umgesetzt werde, was vom Holzmarkt her sinnvoll sei. Es müssten weniger Kulturen angelegt werden, so Wulfes, und es klappe mit der Naturverjüngung. Man könne sehr positiv in die Zukunft des Külsheimer Stadtwaldes blicken. Dieser sei so vielfältig, dass auch in schlechten Jahren Gewinne erwirtschaftet werden könnten.

Franz Joseph Hummel vom Forstamt vertiefte den Überblick, auch mit Zahlen. Gemäß der Forsteinrichtung für zehn Jahre liege man mit der Holznutzung von momentan 53000 Festmetern in sechs Jahren genau in der Planung.

Hummel erklärte zum Abschluss für das Jahr 2018 detailliert, wo mehr eingenommen und weniger ausgegeben worden sei. Somit ergebe sich in 2018 ein Überschuss von 261000 Euro anstatt der geplanten 137600 Euro. Auch in der Prognose für 2019 zeichneten sich erfreuliche Zahlen ab, welche Hummel mit wohl 160000 Euro Überschuss statt der geplanten 132000 Euro zusammenfasste. Auch für das Forstwirtschaftsjahr 2020 gab es eine positive Aussage des Forstmannes.

Der Gemeinderat nahm die Ausführungen zu den Waldjahren 2018 und 2019 zustimmend zur Kenntnis und beschloss die vorgetragenen Ansätze für das Jahr 2020 einstimmig. Der Bürgermeister sprach anschließend Dank aus in Richtung der Verantwortlichen in Sachen Wald für deren Engagement und gute Arbeit.

 

Bebauungsplan Gewerbe-, Industrie-, Sondergebiet und urbanes Gebiet im Gewerbepark II

Irene Trabold vom Bauamt erläuterte zum Sachverhalt, bereits seit Aufgabe des Bundeswehrstandortes und dem Erwerb des Kasernenareals durch die Stadt Külsheim im Jahr 2007 habe sich das Gebiet zu einem attraktiven Gewerbestandort entwickelt. Im Laufe der Jahre seien bei einer Gesamtfläche von 53 Hektar bereits rund 22 Hektar Fläche an Firmen verkauft, etwa elf Hektar Fläche an Gewerbebetriebe vermietet worden. Das Gebiet sei damals als Sondergebiet ausgewiesen worden.

Im Jahr 2009 sei ein Bebauungsplan aufgestellt worden, um das Ganze mit dem Baurecht in Einklang zu bringen. Während des Verfahrens hätten sich jedoch gravierende Änderungen ergeben, so dass dieses Verfahren aufgehoben worden sei. Im März 2013 sei per Gemeinderatsbeschluss ein neuer Aufstellungsbeschluss gefasst worden, für das gesamte ehemalige Kasernenareal einen Bebauungsplan für ein Industrie-, Gewerbe- und Sondergebiet aufzustellen, also ein neues Verfahren eingeleitet. Nach weiteren Verfahrensschritten hätten alle weiteren Bauvorhaben baurechtlich genehmigt werden können.

Es habe sich allerdings bereits zum damaligen Zeitpunkt abgezeichnet, dass sich eventuell erneute Änderungen ergeben könnten, was die Weiterentwicklung jedoch nicht behindert hat.
Zwischenzeitlich ist auch über die Möglichkeit einer Wohnnutzung nachgedacht worden, da es eine sehr hohe Nachfrage nach Bauplätzen in den letzten Jahren gegeben hat.

Damit könnten Außenbereichsflächen geschont und vorhandene technische Infrastruktur genutzt werden. Entsprechende Beratungen haben bereits im Gemeinderat stattgefunden, ebenso wurde beschlossen, im Gewerbepark II Wohnbebauung zuzulassen.

Am bestehenden Verfahren kann weitergearbeitet werden, es sei jedoch ein erneuter Auslegungsbeschluss zu fassen. Der bestehende Bebauungsplanentwurf sei überarbeitet, die Wohnbauplanung ausgereift und eine erneute flächenbezogene Schallimmissionsprognose mit Emissionskontingenten erstellt. Der bestehende Umweltbericht sei nochmals überarbeitet und eine artenschutzrechtliche Beurteilung erstellt.

Irene Trabold ging sehr ausführlich auf die Gebietsaufteilung mit den vorgesehenen Nutzungen ein. Sie listete dabei ein eingeschränktes Industriegebiet, ein Gewerbegebiet, eingeschränkte Gewerbegebiete, Sondergebiete für Sportplatz und Sportanlagen, ein Sondergebiet Feuerwehr, ein Sondergebiet großflächiger Einzelhandel, öffentliche Verkehrsflächen und urbane Gebiete.

Die gesamte Erschließung mit Abwasser, Wasserversorgung, Gasversorgung, Stromversorgung, Straße sei im gewerblichen Plangebiet bereits ausreichend vorhanden. Für die Löschwasserversorgung würden vorhandene unterirdische Tanks zu Löschwasserbehältern umgerüstet. Lediglich im urbanen Gebiet im Bereich der Wohnbebauung müsse noch eine Wohnstraße gebaut werden.

In Sachen Naturschutz, habe eine Eingriffs- und Ausgleichsuntersuchung ergeben, dass ein erhebliches Defizit bestehe. Dieses müsse vor Satzungsbeschluss ausgeglichen werden, die Umsetzung könne nach Baufortschritt erfolgen. Die artenschutzrechtliche Beurteilung sei durchgeführt worden, ein Ergebnis liege noch nicht vor.

Bürgermeister Thomas Schreglmann meinte, insgesamt komme man ein ganz großes Stück weiter, erreiche eventuell die Zielgerade des Konversionsprozesses.
In der Aussprache zeigte sich das Gremium grundsätzlich einverstanden, jedoch wird die geplante Wohnbebauung zu nahe am Industriegebiet gesehen, „Ärger ist vorprogrammiert“, so einige Mitglieder des Gremiums. Auch die fußläufige Erreichbarkeit wurde angesprochen.

Das Gremium stimmte dem zu. Die Verwaltung wurde beauftragt, die öffentliche Auslegung durchzuführen.

 

Grün-/Anlagepflegekonzept

Heiko Wolpert von der Stadtverwaltung informierte zum angedachten Grün- und Anlagepflegekonzept der Stadt Külsheim. Man habe sich in letzter Zeit intensiv mit dem Thema beschäftigt und wolle dieses auf neue Füße stellen. Wolpert nannte als zu beachtende Aspekte, dass die Zahl an Grünflächen ebenso ansteige wie die Ansprüche der Bevölkerung und das ökologische Bewusstsein. Der Personaleinsatz werde immer schwieriger, hinzu kämen Gesichtspunkte wie Klimaveränderung und Trockenheit.

Bisher seien die Grünflächen und Anlagen ermittelt, Planunterlagen erstellt und verfügbare Geräte und Maschinen zusammengestellt worden. Die Verwaltung sieht es als Chance, andere Wege zu gehen, was hinsichtlich Vielfalt „ökonomisch, ökologisch, nachhaltig, ästhetisch“ auch im Sinne der Bevölkerung ist. Begrünungsbeispiele aus der Umgegend wurden aufgezeigt.  

Die weitere Vorgehensweise sehe vor, am Projekt „Natur nah dran“ teilzunehmen und einen entsprechenden Antrag zu stellen. Vorgesehen sei eine Auswahl von Grünflächen, die umgestaltet werden sollen, die Prüfung der Möglichkeit, die Grünflächen im Kataster aufzunehmen, sowie eine Definition und die Festlegung der Pflegekategorien. Der Personal- und der Maschineneinsatz solle optimiert werden. Der Gemeinderat befand den Ansatz als sehr gut und regte an, auch die örtliche Nabu-Gruppe einzubeziehen.

 

Anfragen / Bekanntgaben

Der Bürgermeister gab aus der letzten nichtöffentlichen Sitzung bekannt, der Gemeinderat habe beschlossen, die Liegenschaft des katholischen Kindergartens in Külsheim mitsamt dem Mesnerhaus zu kaufen. Auf Anfragen aus der Bürgerschaft war zu hören, dass der Anteil der Fichte im Stadtwald Külsheim derzeit sieben Prozent betrage, dass es für eine „Forstrettungskette Wald“ in Baden-Württemberg „Stand jetzt“ im Gegensatz zu Bayern keine Förderung vom Land gebe und dass der Begriff „urban“ alles offen lasse.

Unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen“ informierte der Bürgermeister, dass die Stelle für die Arbeit in der Kläranlage öffentlich ausgeschrieben wurde.

Schreglmann kündigte an, bei beiden Hausbanken sei künftig Verwahrentgelt zu zahlen, auch Strafzins genannt.