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Auf jüdischen Spuren durch Külsheim

Auf jüdischen Spuren durch Külsheim

Ein knappes Dutzend Journalisten war vor kurzem gemeinsam unterwegs auf einer Pressereise mit dem Motto „Jüdische Kultur im Lieblichen Taubertal“. Der ausgiebige Gang durch die Geschichte begann in Rothenburg ob der Tauber und führte sukzessive nordwärts, um schließlich in Külsheim zu münden. Dort hatte die Gruppe mit Alfred Bauch einen sehr kompetenten Begleiter durch die Innenstadt und den jüdischen Friedhof.
Start war am Schlossplatz am Kriegerdenkmal an der katholischen Pfarrkirche. Bauch erläuterte hier die Verbundenheit der vormaligen jüdischen Mitbürger mit Külsheim wie mit Deutschland. Er selbst pflegt viele Kontakte zu Nachfahren früherer Külsheimer Bürger, weiß aus seinem Erfahrungsschatz vieler Besuche aus den USA, aus Israel und aus anderen Ländern, dass das Interesse zum einen allen Aspekten jüdische Kultur in Külsheim gilt, zum anderen in hohem Maße der jeweils eigenen Familiengeschichte.
Auch vom Rathausbrunnen aus ließen sich viele Häuser zeigen, wo einst jüdische Mitbürger wohnten und auch ihre Feiertage begingen. Der Platz gab jedoch auch Gelegenheit zum Hinweis auf die so genannte „Judentaufe“, bei der anno 1939 auswärtige Nazis mitten in Külsheim ihr Unwesen trieben. Die Gruppe machte danach Station an einem der ältesten jüdischen Häuser in Külsheim, am Gasthaus „Maier Naumann“, jetzt „Brunnenputzer", wo auch Überreste einer Mesusa zu sehen sind. Jener Maier Naumann hatte einst am Haus sein Namenszeichen hinterlassen und nach 50 Jahren wieder entdeckt.
Bauch erläuterte sehr fundiert, geschichtlich eingebunden, mit viel Fachwissen und mit reichlich begleitendem Wissen, mit einer Fülle ergänzender Informationen, schmückte wo möglich mit Anekdoten aus. Dagmar aus Hamburg, sie hat einen jüdischen Vater, lobte diese Art der Führung als „sehr emotional“ verankert. Die Presseleute waren auch in Külsheim nicht nur als Reisende unterwegs, sondern schrieben mit und/oder photographierten ausgiebig.
Jüdische Familien, so Bauch, sind in Külsheim ab 1378 nachgewiesen. Im ehemaligen „Judenschulweg“ hatte sich die Synagoge befunden, eine Tafel erinnert daran. Die jüdische Gemeinde in Külsheim existierte bis zum 22. Oktober 1940, dem Tag der Deportationen der Juden aus Baden in Internierungslager nach Südfrankreich, vornehmlich nach Gurs. In Külsheim traf dieses Schicksal einst 13 Juden. „Das war das Ende der jüdischen Bevölkerung in Külsheim“, kommentierte Bauch.
Der Abschluss des geschichtlichen Gangs war am/im Külsheimer jüdischen Friedhof, einem der größten im nordbadischen Raum. Auf dem ehemaligen Verbandsfriedhof befinden sich beinahe 1000 Gräber und er befand sich wie anderswo überall auch außerhalb der Ortschaft. Laut Bauch gibt es Hinweise, dass der Külsheimer jüdische Friedhof schon im Dreißigjährigen Krieg im Bestand gehabt haben soll. Der älteste Grabstein indes datiert aus dem Jahre 1646, die letzte Beerdigung war 1938.
Bauch sprach die jeweilige Symbolik auf den Grabsteinen und deren Bedeutung an, verwies darauf, dass alle Steine erfasst seien. In der Zeit des Nationalsozialismus sei der Friedhof entwürdigt, Grabsteine umgeworfen, Marmorplatten als Bodenbeläge in Kellern benutzt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei der umzäunte Friedhof beinahe in Vergessenheit geraten und habe erst in den vergangenen drei Jahrzehnten wieder mehr Beachtung gefunden.
Ein gemeinsamer Imbiss in der Külsheimer Besenwirtschaft Spengler war der Abschluss der Pressereise. Die Journalisten traten von Rothenburg ob der Tauber oder via Bahnhof Würzburg ihre Heimreisen an.